Interview mit Herrn Hakverdi, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft

Wir wurden am Mittwoch, den 02. September, von Metin Hakverdi, einem Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, ins Rathaus eingeladen. In drei Gruppen geteilt schauten wir uns die vielen Gänge, breiten Treppen und die prächtigen Empfangs- uns Sitzungssäle an und lauschten dabei den Ratsdienern zu, die uns mit der Geschichte des Rathauses vertraut machten.

Nach der Führung trafen wir uns in einem großen klassenähnlichen Raum zusammen, in dem wir von Herrn Hakverdi begrüßt wurden. Die türkischen Mitschüler zeigten großes Interesse für die Situation der Einwanderer in Hamburg und in Deutschland und stellten Herrn Hakverdi viele, auch kritische Fragen. Wir, die wesentlich kleinere „deutsche Fraktion“, konnten zwar der Diskussion, die überwiegend auf Türkisch geführt wurde, nicht immer folgen, waren aber umso erfreuter zu erfahren, dass Herr Hakverdi ein echter „Wilhelmsburger“ ist, in Wilhelmsburg – im jüngsten Stadtteil Hamburgs mit der höchsten Einwandererquote – lebt und dort seine Schulzeit verbracht hat. Dort hat er auch seinen Wahlkreis, der ihn bei der Bürgerschaftswahl im Februar 2008 zum ersten Mal  in die Hamburger Bürgerschaft wählte.

Am Rande des Besuches gab es für uns die Möglichkeit, Herrn Hakverdi einige Fragen zu stellen:

Herr Hakverdi, sind Sie in der Türkei geboren?

Nein, ich habe eigentlich noch nie in der Türkei gelebt. Mein längster Aufenthalt dort waren 3 Monate. Ansonsten war ich nur im Urlaub da.

Mein Vater ist ein Türke und meine Mutter ist eine Deutsche. Mein Vater ist 1961 nach Deutschland ausgewandert. Er war selbstständig und arbeitete viel als Schneider und Taxifahrer. So sah ich ihn nur kurz abends, wenn ich meistens schon zu Bett gehen musste. Daher spreche ich auch kaum Türkisch, weil es sich zu Hause nicht ergeben hat. Die Möglichkeit Türkisch zu lernen, hätte ich natürlich zu jeder Zeit gehabt.

Fühlen Sie sich mehr der türkischen oder deutschen Kultur zugehörig?

Ich fühle mich eher der deutschen Kultur zugehörig. Warum, kann ich selbst nicht sagen, denn eigentlich gehöre ich zu beiden Kulturen und habe dadurch auch Vorteile: Ich kenne mich in beiden Kulturen aus und kann mich in die Menschen aus diesen Kulturkreisen einfühlen, sodass ich auch eine gewisse Mittlerfunktion übernehmen kann. Ich habe auch immer in Wilhelmsburg gelebt, das Leben dort ist mir sehr vertraut, sodass ich den Menschen eine Art Grundverständnis entgegenbringen kann. Das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen hat sicher auch mein Bewusstsein für Neutralität und Gerechtigkeit geprägt. Die deutsche Gesetzgebung habe ich in dieser Hinsicht schon früh als eine der besten bewundert. Nach meiner Schulzeit habe ich dann auch Jura studiert und bin jetzt als Anwalt tätig.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit?

Meine Schulzeit war die Hölle.

Warum?

Ich wurde von meinen deutschen Mitschülern verprügelt, weil ich ein Türke war, und von den türkischen Schülern wurde ich verprügelt, weil ich in ihrer Sicht ein Deutscher war. Die Lehrer waren damals nicht für die Integration von Kindern ausländischer Herkunft vorbereitet und konnten uns daher wenig zum Lernen motivieren. In meiner Grundschulklasse waren wir nur zwei Schüler mit einer Zuwanderungsgeschichte.

War Ihr türkischer Name für Sie jemals ein Problem?

Mit meinem Namen hatte ich Vor- und Nachteile. Bei den Wahlen brachte mein türkischer Name mir deutliche Vorteile, denn ich konnte die meisten Stimmen bekommen und so das Bürgerschaftsmandat erlangen, obwohl ich auf der Wahlkreisliste „nur“ auf Platz drei stand. Ich wurde mit 47,5 % der Wählerstimmen gewählt – in einem Wahlkreis, der die höchste Ausländerquote der Stadt hat.

Man liest immer wieder, dass türkische Kinder seltener höhere Schulen besuchen als ihre gleichaltrigen deutschen Mitschüler. Was hat Sie motiviert, auf eine höhere Schule zu gehen?

Meine Eltern. Sie haben mir immer eingeprägt, dass eine gute Bildung und Ausbildung die Voraussetzungen für einen gesellschaftlichen Aufstieg sind. Sie sind ganz einfache Leute und das liebe ich an ihnen.

Unser Projekt setzt sich für mehr Kulturaustausch und Völkerverständigung ein. Wir laden türkische Schüler zu uns ein, gehen mit ihnen drei Wochen lang zur Schule und besuchen sie in ihrer Schule. In dieser Zeit lernen wir uns auch privat gut kennen und merken, dass wir in vielen Dingen sehr ähnlich sind. Was halten Sie von Begegnungen dieser Art? Wäre das nicht auch ein Modell für die Hamburger Schulen untereinander?

Ich finde das Projekt sehr gut, soweit ich das jetzt kenne. Aber ob das ein Modell auch für die Hamburger Schulen untereinander wäre – theoretisch ja, praktisch eher nein. Einen solchen Austausch zwischen den Schulen hier halte ich für sehr viel schwieriger in seiner Umsetzung. Stellt euch vor, ihr würdet die Schüler in Wilhelmsburg als eure Projektpartner haben wollen. Ich befürchte, sie wüssten gar nicht, was sie mit Kulturaustausch und Völkerverständigung anfangen sollen. Sie müssten zuerst viel mehr über sich selbst, über ihre Wurzeln, die Kultur und Lebensgewohnheiten des Landes ihrer Eltern, Großeltern erfahren und ihr Bild von der deutschen Kultur erweitern, sich für allgemeine Themen interessieren usw., bevor eine gemeinsame Arbeit entstehen kann.

Gibt es etwas, was Sie unserem Projekt wünschen würden?

Schaut euch um und sprecht mal auch mit den türkischen Schülern hier. Sprecht mit ihnen – auch über das Tragen von Kopftüchern. Ihr werdet erstaunt sein.

Herr Hakverdi, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

Farina, Merle und Luzie

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VIDEO der Abschlussveranstaltung

Das Video können Sie Seite unter dem Artikel “Meine Welt – Deine Welt” am Ende des Textes unter folgendem Link anschauen:

http://www.independencia-schule.de/cms/index.php?INTERNATIONALES-SOMMERCAMP-2007

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Bericht aus der Hürriyet vom 24.08.2010

Den Original-Artikel finden Sie unter dem Link:

http://www.independencia-schule.de/cms/index.php?huerriyet-24082010

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Hürriyet-Artikel vom 07.09.2010

Den Originalartikel finden Sie unter dem Link:

http://www.independencia-schule.de/cms/index.php?huerriyet-07092010

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Berichterstattung Hürriyet vom 11. September 2010

Der Originalartikel ist zu finden unter dem Link:

http://www.independencia-schule.de/cms/index.php?huerriyet-11092010

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Berichterstatatung über die Sommerakademie

Über die Sommerakademie 2010 wurde im Hamburger Abendblatt berichtet. Ebenso gab es einen kleinen Film. Beide Beiträge finden Sie, wenn Sie die unteren Links anklicken:

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Gastbeiträge aus Lübeck (Fotos 4)

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